Benetzungseigenschaften

Testtinten und Oberflächenanalytik - wie passt das zusammen?

 

In modernen Produktionsumgebungen ist die kontinuierliche Überwachung der Oberflächenqualität ein entscheidender Erfolgsfaktor. Besonders bei Prozessen wie Kleben, Drucken, Beschichten oder Lackieren bestimmt die Benetzbarkeit maßgeblich die Haftung und damit die Produktqualität. Die Testtinte hat sich hierbei als einfaches, schnelles und praxisnahes Prüfmittel etabliert. Sie ermöglicht eine unmittelbare Einschätzung der Oberflächenspannung direkt im laufenden Prozess.

Die Anwendung einer Testtinte ist unkompliziert: Sie wird auf die Oberfläche aufgetragen, und anhand ihres Verlaufsverhaltens lässt sich erkennen, ob die gewünschte Oberflächenspannung erreicht wurde. Verläuft die Testtinte gleichmäßig, ist die Benetzung ausreichend; zieht sie sich zusammen, besteht Handlungsbedarf. Dadurch eignet sich die Testtinte ideal für die Inline-Kontrolle, da sie ohne komplexe Messtechnik auskommt und direkt von Produktionsmitarbeitenden eingesetzt werden kann.

Als schnelles Screening-Werkzeug liefert die Testtinte sofortige Rückmeldung über den Erfolg einer Vorbehandlung, beispielsweise durch Plasma- oder Coronaprozesse. Prozessabweichungen werden frühzeitig erkannt, Ausschuss reduziert und Stillstandszeiten minimiert.

 

Testtinte als schnelles, aber unspezifisches Prüfmittel

So hilfreich die Testtinte im Produktionsalltag ist, so klar sind auch ihre Grenzen. Die Testtinte bewertet ausschließlich das makroskopische Benetzungsverhalten. Sie zeigt, dass eine Abweichung vorliegt – jedoch nicht warum.

Wenn eine Testtinte ein unerwartetes Ergebnis liefert, beginnt häufig die eigentliche Herausforderung: Liegt eine organische Kontamination vor? Wurden Additive an die Oberfläche migriert? Ist die Aktivierung unzureichend oder hat sich die Oberfläche durch Alterung verändert? Die Testtinte kann diese Fragen nicht beantworten.

Gerade bei komplexen Materialien, Mehrschichtsystemen oder sensiblen Hightech-Anwendungen reicht die Aussagekraft einer Testtinte nicht aus, um die Ursache eindeutig zu identifizieren. In solchen Situationen entsteht schnell Ratlosigkeit, da zwar ein verändertes Benetzungsverhalten sichtbar wird, die chemischen Hintergründe jedoch verborgen bleiben.

 

Photoelektronenspektroskopie – chemische Ursachen gezielt aufklären

Wenn die Testtinte Abweichungen signalisiert und die Ursache unklar bleibt, liefert die weiterführende Oberflächenanalytik die nötige Klarheit. Ein zentrales Verfahren ist die Röntgenphotoelektronenspektroskopie (XPS).

XPS analysiert die obersten Nanometer einer Oberfläche und bestimmt sowohl die vorhandenen Elemente als auch deren chemische Bindungszustände. Damit lässt sich exakt nachvollziehen, ob funktionelle Gruppen für eine gute Haftung vorhanden sind oder ob beispielsweise Silikone, Fette oder Oxidationsprodukte die Benetzung beeinträchtigen.

Während die Testtinte lediglich eine visuelle Bewertung ermöglicht, liefert XPS eine quantitative und chemisch fundierte Analyse. Wenn also eine Testtinte ein vermindertes Benetzungsverhalten anzeigt und intern keine Erklärung gefunden wird, schafft XPS eine belastbare Entscheidungsgrundlage für gezielte Prozessoptimierungen.

 

Testtinte und ToF-SIMS – wenn selbst kleinste Spuren entscheidend sind

In besonders anspruchsvollen Fällen, in denen selbst XPS an Grenzen stößt oder extrem geringe Verunreinigungen vermutet werden, kommt die Time-of-Flight Secondary Ion Mass Spectrometry (ToF-SIMS) zum Einsatz. Dieses hochsensitive Verfahren liefert detaillierte molekulare Informationen und kann selbst Spuren von Kontaminationen nachweisen.

Die Testtinte zeigt in solchen Fällen lediglich das Symptom – ein verändertes Benetzungsverhalten. ToF-SIMS hingegen identifiziert die verantwortlichen Moleküle mit höchster Empfindlichkeit. Dadurch können selbst minimale Unterschiede zwischen Chargen oder Prozessparametern sichtbar gemacht werden.

Gerade wenn interne Untersuchungen keine eindeutige Erklärung liefern und Unsicherheit herrscht, bieten XPS und ToF-SIMS die notwendige analytische Tiefe. Die Testtinte bleibt damit das schnelle Frühwarnsystem in der Produktion, während die weiterführende Analytik die Ursachen eindeutig klärt.

Durch die Kombination aus Testtinte für die Inline-Kontrolle und hochauflösender Oberflächenanalytik für die Detailuntersuchung entsteht ein ganzheitlicher Ansatz: schnell in der Anwendung, präzise in der Ursachenanalyse und zuverlässig in der Qualitätssicherung.

 

Testtinte allein reicht nicht? – Jetzt Experten von Tascon kontaktieren

Wenn Ihre Testtinte Abweichungen zeigt und die Ursache im Verborgenen bleibt, ist professionelle Unterstützung entscheidend. Die Tascon GmbH ist spezialisiert auf hochauflösende Oberflächenanalytik und unterstützt Unternehmen bei der systematischen Aufklärung von Benetzungs- und Haftungsproblemen.

Unsere erfahrenen Analytik-Experten kombinieren modernste Verfahren wie XPS und ToF-SIMS mit umfassender materialwissenschaftlicher Expertise. So erhalten Sie nicht nur Messdaten, sondern eine klare Interpretation und konkrete Handlungsempfehlungen für Ihre Prozesse.

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